Paderborn (pdp). Bereits im November 2020 hatten sich 17 Frauen der Initiative Maria 2.0 aus dem Erzbistum Paderborn an ihren Erzbischof Hans-Josef Becker gewandt und ihn, auch angesichts der Vorgänge im Erzbistum Köln, um ein Gespräch gebeten. Eine Antwort mit einer Einladung nach Paderborn hatten die Frauen schnell im Briefkasten, jedoch ließ die Pandemiesituation ein persönliches Treffen lange nicht zu. Am 8. Juli 2021 war es dann doch soweit: Barbara Erdmeier und Elisabeth Niehaus aus Bielefeld, Sigrun Eggenstein aus Dortmund und Christa Hesse, Claudia Siegel, Magdalena Schlüter und Ulrike Fromme aus Paderborn trafen sich in Paderborn zu einem persönlichen Gespräch mit Erzbischof Hans-Josef Becker und Monsignore Dr. Michael Bredeck, der den Bereich Pastorale Dienste im Erzbischöflichen Generalvikariat Paderborn leitet.

Im Gepäck hatten die Frauen, die alle der Initiative Maria 2.0 im Erzbistum Paderborn angehören, vier wichtige Anliegen, die sie mit ihrem Bischof besprechen wollten. Zunächst wurde das Thema Macht und Gewaltenteilung in den Blick genommen. Die Frauen fordern dringend eine Gewaltenteilung und unabhängige Kontrollinstanzen auf allen Ebenen des kirchlichen Lebens. Deutlich gaben sie zu verstehen, dass sie oft Rückschritte statt Fortschritte erleben. Erzbischof Becker bestätigte den großen Nachholbedarf in der Kirche.

Perspektiven bei Aufarbeitung von Missbrauch

Auch die unabhängige Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche sprachen die Frauen an. Hier bewegt sie insbesondere die Frage, wie die Aufarbeitung im Erzbistum Paderborn erfolgt und was noch zu erwarten ist. Der Paderborner Erzbischof berichtete, dass eine Studie durch die Universität Paderborn erfolgt, wobei die Wissenschaftlerinnen uneingeschränkten Aktenzugang haben und die Veröffentlichung der Ergebnisse allein in ihren Händen liegt. Noch in diesem Jahr soll ein Betroffenenbeirat sowie eine unabhängige Aufarbeitungskommission eingerichtet werden. Der Erzbischof bot den Frauen der Initiative Maria 2.0 ein vertiefendes Gespräch mit dem Interventionsbeauftragten des Erzbistums, Thomas Wendland, an.

Nicht nur kosmetische Reparaturen

In dem Anliegen der Initiative Maria 2.0 nahmen die Frauen Bezug auf das Tagesthemen-Interview von Bischof Dr. Georg Bätzing als Vorsitzendem der Deutschen Bischofskonferenz anlässlich der Bekanntgabe des Rücktrittwunschs von Erzbischof Reinhard Kardinal Marx. Darin blickte Bätzing in die Zukunft und sagte voraus, dass die Kirche “in der Frage der Gleichberechtigung von Frauen auf allen Ebenen des kirchlichen Lebens weiterkommen (muss), und das wird nicht enden an der Grenze des sakramentalen Amtes”. Die Paderbornerinnen freuten sich über Bätzings Vision und die Zustimmung von Erzbischof Becker hierzu. Ebenfalls stimmte Becker zu, dass es um eine fundamentale Reform in der katholischen Kirche gehe, nicht um kosmetische Reparaturen.

Synodaler Weg alternativlos

In dem von gegenseitiger Wertschätzung geprägten und vertrauensvollen Gespräch wurden die Sichtweisen auf die unterschiedlichen Themen ausgetauscht, auch zur Sexualmoral der katholischen Kirche. Erzbischof Becker machte deutlich, dass er die Vision von Bischof Bätzing teile und den Synodalen Weg als alternativlosen Schritt in die richtige Richtung sehe. Die Frauen von der Initiative Maria 2.0 erklärten, sie würden diesen Weg weiterhin mit ihren kreativen Protestformen begleiten. Sie ermutigen ihren Erzbischof, seine Möglichkeiten wahrzunehmen, um für Reformen und gegen Diskriminierung in der Kirche einzutreten. Sie luden den Erzbischof entsprechend ein, die Aktion “Mein Gott liebt alle Menschen” zu unterstützen.

Foto: Erzbischof Hans-Josef Becker (M.) traf sieben Frauen der Initiative Maria 2.0 zum vertrauensvollen Austausch in Paderborn. Foto: Erzbistum Paderborn